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SchülerVZ als Tummelplatz für Kriminelle

10.09.2011
Das SchülerVZ ist der Treffpunkt für zahlreiche5 schulpflichtige Kinder aus ganz Deutschland. Aber nicht nur das, auch eine Vielzahl von Erwachsenen tummeln sich auf der Schülerplattform. Die Lehrer sind teilweise dabei, um einen Überblick über die Aktivitäten der Schüler zu gewinnen oder um zu schauen, ob sie dort denunziert werden. Viele Eltern melden sich aus Sorge um den Nachwuchs an. Sie möchten wissen, in welchen Gruppen diese vertreten sind und mit was für Freunden sie sich abgeben. Auch wenn dies den Schülern nicht gefällt, so haben diese Erwachsenen doch wenigstens lautere Absichten und sind für die Schulpflichtigen keine Bedrohung. Dies ist leider nicht die Regel. Von Datensammler, über Einbrecher, bis hin zu Pädophilen ist im SchülerVZ alles vertreten - zusammen mit unserem Nachwuchs.

In den Jahren 2009 und 2010 konnten jeweils eine nicht unbeträchtliche Menge an Daten aus dem SchülerVZ ausgelesen werden. Im ersten Fall wurde der Täter verhaftet. Er wollte das SchülerVZ erpressen. Würden die Betreiber nicht auf seine Forderungen eingehen, so wollte er die Daten nach Osteuropa verkaufen. Noch in der Untersuchungshaft beging der Täter Selbstmord. Im zweiten Fall wurden die Daten von einem findigen Studenten gesammelt. Dieser wollte jedoch nur das SchülerVZ auf eine Sicherheitslücke aufmerksam machen. In jedem Fall war es möglich sensible Daten auszulesen. Diese können verkauft werden. Abnehmer können Marktforscher sein, aber auch Pädophile kommen auf diese Art und Weise an viele Daten und Bilder über potentielle Opfer. Auch wenn das Auslesen von Daten möglich war, so gilt das SchülerVZ doch als eines der sichersten sozialen Netzwerke. Facebook z.B. geht mit den Daten wesentlich freizügiger um.

Das Paradies für Pädophile

Gar keine Frage, für Pädophile ist das SchülerVZ eine wunderbare Möglichkeit diverse Opfer auszuspionieren und deren Vertrauen zu gewinnen. Mit diesen Informationen ist es ganz einfach möglich, die unbedarften Kinder oder Jugendlichen zu einem abgelegenen Treffpunkt zu locken. Um in das SchülerVZ zu gelangen, ist ausschließlich eine Einladung von einem anderen Mitglied nötig. Diese ist jedoch sehr einfach zu bekommen. In diversen Teenieforen wird mit diesen Einlassberechtigungen geradezu um sich geworfen. Eröffnet jemand einen Thread unter dem Nickname "FlotterKäfer13" fällt bei den leichtgläubigen Kindern schon jeder Verdacht ab es könne sich um einen Erwachsenen handeln. Schließlich gibt der Name ja über das Alter Aufschluss. Leider ist dem nicht immer so. Auch auf diversen Homepages werden Einladungen an Eltern und Lehrer verteilt, damit diese auch einen Einblick in das SchülerVZ bekommen. Der Pädophile kann sich also aussuchen, ob er sich als interessierter Lehrer, als besorgter Elternteil oder als Schüler ausgibt, um an eine Einladung zu kommen.



Mit dieser kann er sich beim SchülerVZ anmelden und sich ausgeben, als wen er möchte. Der Pädophile denkt sich ein Alter zwischen 10 und 21 aus und fängt an Profile von Kindern und Jugendlichen zu durchsuchen. Das Aussehen dieser spielt dabei eine Rolle, aber auch die hinterlegten Informationen im Profil. Dadurch ist es dem Erwachsenen mit pädophilen Neigungen möglich sein Opfer in ein Gespräch zu verwickeln und allerhand Lügen zu verbreiten, um dessen Vertrauen zu gewinnen. In der Vergangenheit wurden Kinder und Jugendliche mit sensiblen Daten, die der Pädophile gesammelt hatte, erpresst sich auszuziehen. Gelegentlich können Jugendliche zu einem Treffen überredet werden. Wobei dies gar nicht unbedingt nötig ist. Geht das Opfer mit seinen Daten hausieren, ist es für den Täter einfach, deren Aufenthaltsort auszuspähen. Die Schule ist sowieso angegeben. Allein deshalb ist es kein Problem das Opfer aufzuspüren. Oftmals werden aber auch noch der Wohnort und die Straße offenbart. Die Leichtfertigkeit der Jugend kennt keine Grenzen.



28 % der Internetnutzer wurden schon einmal im world wide web belästigt. Das SchülerVZ bietet dafür eine gute Plattform. Auch über den Account von angeblichen Freunden können sich findige Hacker einloggen. Dadurch ist es gar nicht nötig das Vertrauen zu gewinnen. Denn Vertrauen in die entsprechende Person besteht bereits. Daher sollen Nutzer auch argwöhnisch sein, wenn sich bekannte Personen anders ausdrücken oder merkwürdige Fragen stellen.

Profilfälscher

Das Internet ist anonym. Dies ist für Personen mit unlauteren Absichten ein großer Vorteil. Beim SchülerVZ ist es möglich sich ein Profil nach seinen Wünschen zu erstellen. Niemand wird es merken, wenn ein falscher Name, ein falsches Foto und ein falsches Alter angegeben wird. Die Motive für ein solches Handeln können höchst unterschiedlich sein. Bei vielen Personen ist auch nicht jede Angabe gefälscht. Diese wollen meistens nur ihr Profil aufwerten, indem sie z.B. ein Foto von einer hübscheren Person verwenden. Die, recht harmlose, Absicht dahinter, ist mit mehr Personen in Kontakt zu kommen und in seinem Profil entsprechend mehr Freunde vorweisen zu können. Manche Menschen haben auch einfach nur Angst vor der Veröffentlichung von persönlichen, realen Daten. Und das ist nicht einmal völlig unbegründet. Aber auch um andere Menschen zu betrügen, werden Fake-Profile erstellt.



Eigentlich ist jedoch jedes Fake-Profil eine Art von Betrug. Ein Betrug an anderen Teilnehmern der Onlineplattform. Und auch, wenn die meisten Personen keine Hintergedanken beim Verwenden falscher Daten haben, so gibt es auch hier welche, die nur das Vertrauen oder sensible Informationen anderer Nutzer erlangen möchten. Diverse Fake-Profile werden angelegt, um den SchülerVZ-Betrieb einfach zu stören. Es wird in diversen Gruppen rumgespamt und eigentlich nur Stunk gemacht. Aber auch die echten Profile können mit einem zweiten oder gar dritten Fake-Profil unterstütz werden. Dies ist auf diese Weise unlängst geschehen. Ein Pädophiler gab sich einmal als 15-jähriger Junge und dann noch als Ex-Freundin dieses Jungen aus, um das Vertrauen eines Mädchens zu erschleichen - mit Erfolg, aber ohne erfolgreiche Tatausführung.

Betrugsversuche

Eine gesonderte Art von Profilfälschern, sind Personen, die Schüler auf eine bestimmte Internetseite locken möchten. Es wird eine private Nachricht an eine Vielzahl von Mitgliedern versendet, mit dem Inhalt etwas kurioses, lustiges oder erschreckendes gesehen zu haben. Dieser Text ist natürlich mit einem Link belegt. Die Absichten dahinter können von der Aufwertung der Website durch mehr Besucher, bis hin zum Einschleusen eines Trojaners auf den PC der Opfer sein. Dieser würde sensible Daten, wie Passwörter ausspionieren. Entsprechende Vorsicht ist daher geboten, wenn ein unbekanntes Mitglied eine solche Nachricht verschickt.



Eine Abwandlung dieser Form, ist der Liebesschwur, der eigentlich nur eine Abzocke ist. In der privaten Nachricht wird darauf hingewiesen, dass ein Mädchen oder ein Junge absolut in dich verknallt ist. Leider sei sie zu schüchtern um dich direkt anzusprechen. Daher hinterlässt sie eine Telefonnummer (meist Handynummer) auf der du sie zurückrufen möchtest. Die Kosten der Telefonrechnung sind jedoch das einzige was dich dabei überraschen wird. Klar, dass sich keine potentielle Freundin am anderen Ende der Leitung meldet.



Diese Aufzählung von Tatbeständen und Beispielen ist bei weitem nicht abschließend. Andere Nachrichten, die nichts mit Liebe zu tun haben oder die nur einen Link enthalten sind nicht weniger tückisch. Die Täter finden immer neue Methoden, um auf sich aufmerksam zu machen. Bei jeder Nachricht, die einen Link oder eine Telefonnummer enthält, ist daher äußerste Vorsicht geboten.

Sektenalarm

Recht neuen Erkenntnissen zufolge versuchen Sekten inzwischen sogar über die sozialen Netzwerke neue Mitglieder zu sammeln. Insbesondere Facebook und das SchülerVZ stehen dabei im Blickpunkt. Scientology machte erst jüngst auf sich aufmerksam. Die Organisation leitet Gruppen mit lebensbejahenden Titeln, wie "Sag nein zu Drogen - sag ja zum Leben" oder "Jugend für Menschenrechte". Die Inhalte der einzelnen Threads sind so aufgebaut, dass die Kinder und Jugendlichen bei eigenen Nachforschungen auf entsprechende Websites gelockt werden. Dort sind neben echten Informationen über Drogen und Anlaufstellen zur Beratung aber auch Links zu Seiten von Scientology vertreten. Meldet sich ein Mitglied von SchülerVZ für eine der lebensbejahenden Aktionen auf den Websites an, so haben die Scientologen die nötigen Informationen, um direkt auf die Personen zuzukommen. Neue Mitglieder sind der Kern jeder Sekte. Insbesondere "junges Blut" ist dabei sehr beliebt. Daher sind Sekten, insbesondere Scientology, ebenfalls etwas, worüber die Kinder und Jugendlichen aufgeklärt sein müssen.

Klassische Delikte

Einbruch, Diebstahl und Raubzüge sind Delikte, die praktisch täglich vonstatten gehen. Wie schön, dass es endlich mal ein Verbrechen gibt, welches nicht online ausgeführt werden kann. Aber leider ist dies nicht ganz richtig. Auch wenn der Tatvollzug nicht im Internet durchgeführt wird, so sind in den sozialen Netzwerken sämtliche Informationen vorhanden, um die Tat zu planen.



Soll die Tochter eines reichen Unternehmensbesitzers entführt werden, kann über das SchülerVZ deren Schule ermittelt werden. Dies ist eine Pflichtangabe des sozialen Netzwerkes. Ist zusätzlich noch das Aussehen und der Wohnort bekannt, kann der Person sogar auf dem Nachhauseweg aufgelauert werden. Und nicht nur Entführer, auch Pädophile kommen auf diese Art und Weise an ihre Opfer ran. Diebstahl auf offener Straße bei Kindern und Jugendlichen ist hingegen recht unwahrscheinlich. In diesem Alter werden meist noch keine großartigen Wertsachen bei sich getragen.



Aber Einbrecher und Diebe können über das SchülerVZ praktische Informationen sammeln. Unterhält sich eine Person über das Sportereignis nächsten Dienstag und betont auch noch, dass die Familie zu zuschauen kommt, dann weiß der Tunichtgut, dass das Haus an diesem Tag mehrere Stunden leer stehen wird. Für einen Einbrecher fast schon eine Aufforderung es auszuräumen. Daher sollte im sozialen Netz kein Aufschluss über regelmäßige Tätigkeiten, wie das Training eines Sportvereins, gegeben werden. Auch an welchen Terminen wo gefeiert wird, birgt ein gewisses Risiko. Derlei Informationen sollten lieber persönlich oder doch wenigstens über das E-Mail Programm besprochen werden.

Unter Verbrechern

Auch wenn die Schüler, also Kinder und Jugendliche, bei weitem in der Überzahl sein werden, so ist dennoch klar, dass sie sich im SchülerVZ unter Verbrechern aufhalten. Ein Großteil der Nutzer kommt niemals mit diesen in Kontakt. Ein weiterer kleiner Teil erkennt die Gefahren und lässt sich nicht mit Fremden ein und berichtet alles Auffällige den eigenen Eltern. Aber ein kleiner Teil fällt auf die Verbrecher rein. Die Folgen reichen von einer erhöhten Telefonrechnung, bis zum Verschwinden des Kindes.





Die Popularität des SchülerVZ schließt ein generelles Verbot der Domain jedoch aus. Auch eine Untersagung der Teilnahme der eigenen Kinder macht keinen Sinn. Dadurch werden sie häufig vor der gesamten Klasse bloßgestellt. Und wer möchte sein Kind schon freiwillig zum Außenseiter machen? Dennoch dürfen die Kinder nicht ohne Vorbereitung in das soziale Netz geschickt, bzw. gelassen werden. Sind Ihre Kinder schon dabei? Wenn ja, wie viel wissen Sie von dem, was sie dort machen? Es ist wichtig, sich dafür zu interessieren. Noch besser ist es jedoch, seine Kinder selbst dort anzumelden, wenn sie eine gewisse Reife vorweisen. Dann können die Sicherheitseinstellungen gemeinsam vorgenommen werden. Gefahren können geradeheraus angesprochen werden. Eine umfassende Aufklärung über Sekten, Pädophile, über die Sensibilität der Daten und weitere Verbrecher sollte vor der Nutzung erfolgt sein. Daten die einmal im Internet waren, sind dort nur schwer wieder zu entfernen.



Auch Regeln für den Umgang müssen festgelegt werden. Ganz wichtig wäre hier ein Chatverbot, keine Aufnahme von Freunden, die nicht auch aus dem realen Leben bekannt sind und Profileinstellungen, die nur die Freunde sehen können. Außerdem sollten sich die Eltern das Recht vorbehalten jederzeit einen Blick in das Profil ihres Kindes werfen zu können. Dies erfolgt entweder im Beisein des Nachwuchses oder indem im Vorfeld ein Passwort gewählt wird, welches auch den Eltern bekannt ist. Auch wenn die Regeln nicht beliebt sind, so sorgen sie doch für einen gewissen Schutz. Als Anreiz kann jedoch zugesagt werden die Regeln zu lockern, wenn sich der Nachwuchs im Umgang mit den sozialen Netzwerken bewährt. Soll heißen, keine privaten Informationen ausgeben und sich auch an die anderen festgelegten Regeln halten, sowie alles Merkwürdige sofort mit den Eltern abzusprechen.


 
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Redakteur dieses Artikels

Michael Siemann

Fachredakteur und Internet-Experte im Bereich soziale Netzwerke sowie zielgruppen- und altersgerechtegerechte Internetseiten





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